Moderner Dreikampf
Immer mehr Anbieter möchten ihre Kunden mit Telefon, Internet und TV aus einer Hand versorgen. Doch Zugriff zu Triple-Play-Angeboten hat derzeit nur ein sehr begrenzter Kundenkreis.
Claudia Rothkamp
Ganz einfach: Ein einziger Anbieter soll dem Kunden Telefon-, Internet- und TV-Anschluss über eine einzige Leitung ins Haus bringen. Der Vorteil: Sämtliche Mediendienste werden über nur eine Rechnung beglichen, die – forciert durch den verstärkten Wettbewerb – noch dazu günstiger ausfallen soll, als wenn der Nutzer die gleichen Einzeldienste bei verschiedenen Anbietern beziehen würde. Weiterer Vorteil: Auch Beratung und Service kommen aus einer Hand. Doch die Praxis sieht momentan noch anders aus.
Punkt 1: Einen Wettbewerb in Sachen Triple Play gibt es derzeit nicht, da die Kombination der drei Dienste lediglich über die Kabel-TV-Netze möglich ist, deren Betreiber sich gegenseitig gar keine Konkurrenz machen können, da sie in unterschiedlichen Bundesländern aktiv sind. So sind die großen Kabelunternehmen ish in Nordrhein-Westfalen, iesy in Hessen und Kabel BW in Baden-Württemberg präsent, während Kabel Deutschland die übrigen Regionen mit Kabel-TV versorgt.
Punkt 2: Wirkliche Bundles – also Pakete, die Telefon, Internet und Kabel-TV vereinen – gibt es ebenfalls noch kaum. Meist konzentrieren sich die Netzbetreiber auf die gemeinsame Vermarktung von Telefon- und Internetanschluss. Die Gebühren für den Kabelanschluss sind in den Paketpreisen nicht enthalten. »Die Vermarktung mit dem regulären analogen Kabelanschluss ist angedacht, aber nicht einfach, da für den Kabelanschluss oftmals der Hauseigentümer oder die Wohnungsgesellschaft unser Vertragspartner ist und dem einzelnen Mieter beziehungsweise Kunden der analoge Kabelanschluss über die Mietnebenkosten in Rechnung gestellt wird – zu unterschiedlichen Preisen«, erklärt Eva Krüger, Pressereferentin bei ish und iesy. Bundles aus Internet, Telefon und digitalem Pay-TV haben die beiden Unternehmen als einzige aber schon heute im Programm. Matthias Winter, Sprecher von Kabel Deutschland, sieht hingegen in einem solchen Angebot noch keinen Sinn. »Aus aktuellen Marktforschungen wissen wir, dass viele Kunden mit einem solchen Paket noch überfordert wären. Deshalb setzen wir derzeit auf Bundles aus Telefonie und Internet. Zukünftig sind aber auch Bundles aus TV/Radio, Internet und Telefonie durchaus denkbar.« Auch Kabel BW beschränkt sich zurzeit auf Pakete aus Internet- und Telefonanschluss. Voraussetzung für die neuen Angebote ist bei allen Netzbetreibern ein bestehender Kabel-TV-Anschluss, der separat berechnet wird.
DSL-Anbieter springen auf
Wenn die Kabelnetzbetreiber die Nase in Sachen Triple Play weiterhin vorne haben möchten, sollten sie den Netzausbau zügig vorantreiben. Denn in den nächsten Monaten planen auch verschiedene Telekommunikationsanbieter auf den Dreifachzug aufspringen – allen voran T-Online. Über das Highspeed-VDSL-Netz der Deutschen Telekom will das Unternehmen im zweiten Halbjahr 2006 das Fernsehen per Internet in die Wohnzimmer zehn deutscher Großstädte bringen. Gebündelt mit Telefon- und Internet-Diensten entsteht auch hier ein echtes Triple-Play-Angebot und damit eine Alternative für Haushalte mit terrestrischem oder Satellitenempfang – Kostenpunkt allerdings noch unbekannt. Auch einzelne regionale Anbieter wie Net Cologne oder Hanse Net planen ein solches Angebot. Für andere wie Arcor und 1&1 spielt das Fernsehen im herkömmlichen Sinne, also Free-TV, hingegen zunächst keine Rolle. Sie sehen die IPTV-Dienste vorwiegend als Ergänzung zum klassischen Fernsehprogramm und setzen hauptsächlich auf Video-on-Demand oder Pay-TV im Paket mit einem schnellen Internet-Zugang und dem Telefonanschluss – und nennen es – per Definition völlig zu Recht – ebenfalls Triple Play.
Bremsen und Chancen
Gerade der Erfolg solcher Bezahldienste ist aber bei den Experten der Branche umstritten. Dr. Martin Fabel, Medienexperte und Co-Autor einer A.T. Kearney-Studie zum Thema Triple Play, sieht im deutschen Free-TV-Markt eine große Herausforderung für die Anbieter. »Im Unterschied zu anderen europäischen Märkten, in denen die Triple-Play-Mehrwert-Argumentation im Wesentlichen über den Preisvorteil des Bundles gegenüber den drei Einzelpreisen läuft, sind viele Teile des Fernsehangebots hierzulande ohnehin quasi kostenlos.« Da wundert es nicht, dass die Konsumenten kaum bereit sind, für kostenpflichtige Inhalte zu bezahlen. Ohne diese Bereitschaft wird sich aber Triple Play nach Ansicht von Nikolaus Bremerich, Partner und Telekommunikationsexperte der Wiesbadener Beratungs- und Agenturgruppe Marketing Partner, auf Dauer nicht halten können. »Unterm Strich geht es bei Triple Play hauptsächlich um eine Kundenumverteilung bei großen Investitionen in die Kundengewinnung. Diese rechnen sich nur, wenn vermehrt kostenpflichtige Angebote von Kunden genutzt werden und entsprechend der Durchschnittsumsatz je Kunde gesteigert wird. Genau das wird – neben der grundsätzlichen Gewinnung von Triple-Play-Kunden – die große Marketing- und Vertriebsherausforderung in den kommenden Jahren sein.« Generell räumen aber beide dem Triple Play gute Marktchancen ein. »Auch wenn der kommerzielle Durchbruch von interaktiven TV-nahen Angeboten kaum kurzfristig erfolgen wird, so tröstet doch der Blick nach vorn bei der Suche nach dem Triple-Play-Erfolgsrezept«, führt Fabel an. »Zumindest langfristig erscheint der Sieg von Triple Play sicher, da das Internet bei Jugendlichen das klassische Fernsehen als Leitmedium zurückdrängt und der Umgang mit kostenpflichtigen interaktiven Medien zur Selbstverständlichkeit wird.«
Die Experten der Studie Deutschland Online 3 erwarten sogar, dass im Jahr 2015 Triple-Play-Geschäftsmodelle den deutschen Breitbandmarkt dominieren werden. Sie sind der Meinung, dass durch die Integration von Triple Play und Digital Home innerhalb der nächsten zehn Jahre neue Geschäftsmodelle im Breitbandmarkt entstehen und beide Märkte bis 2015 zu einem gemeinsamen Markt verschmelzen werden.
Triple Play rollt an
Bis Jahresende sollen rund acht Millionen Haushalte in den Genuss von Triple Play kommen. Bis Ende des Geschäftsjahres 2008/2009 sollen rund 500 Millionen Euro in den Ausbau der Netze investiert werden, damit Triple Play dann für rund 90 Prozent der 15,3 Millionen anschließbaren Kabelhaushalte verfügbar sein wird.
Kabel BW versorgt bereits mehr als 60.000 Bundesbürger mit seinem Kabel-Internet-Angebot, von denen nach Unternehmensangaben auch 92 Prozent über das TV-Kabel telefonieren. Bis spätestens 2010, möglicherweise auch früher, soll sein gesamtes Kabelnetz Multimedia- und damit Triple-Play-fähig sein. Dabei bezieht Kabel BW auch den ländlichen Raum in seine Planung mit ein.
ish und iesy konnten in Nordrhein-Westfalen und Hessen Ende 2005 gemeinsam 34.600 Internet- und 13.200 Telefonkunden verzeichnen. Wer in ländlichen Gebieten von Nordrhein-Westfalen oder Hessen wohnt hat allerdings Pech gehabt, denn ish und iesy wollen sich in diesem Jahr zunächst auf die Modernisierung weiterer Ballungsräume konzentrieren. Was danach kommt, steht im Moment noch nicht fest.
Verfügbarkeit und Preise
Ausführliche Informationen unter
www.kabeldeutschland.de
www.ish.de
www.iesy.de


